Vielfältige Verwendung

Bei der Birke bieten sich neben der Holznutzung diverse Sondernutzungsmöglichkeiten der einzelnen Baumbestandteile an, wie es kaum eine andere Gehölzart bietet. Einige Produkte können geerntet werden, ohne den Baum fällen zu müssen.

Das „Unkraut des Waldes“ – Ernsthaft?

Obwohl sie mitunter einen schlechten Ruf hat, ist die Birke für viele Wälder Gold wert.

Noch bis vor wenigen Jahren hatte die Birke in der Forstwirtschaft einen schlechten Ruf und galt als Zeichen ungepflegter Wälder. Sie wuchert wild zwischen den in Reihen gepflanzten jungen Fichten oder Kiefern. Das waldbauliche Vorgehen der Vergangenheit entsprach in vielen Fällen einer Aufforstung zuvor geräumter Altbestände. Die so entstandenen Kahlhiebsflächen werden besonders schnell von Pionierbaumarten wie der Birke besiedelt. Dank ihres schnellen Wachstums überragt sie vor allem in den ersten Jahren die Nadelbäume, was dazu führen kann, dass ihre besonders elastischen Zweige bei Wind die umstehenden gepflanzten Bäume beschädigen („peitschen“) können. In der Folge kann der Wipfeltrieb absterben, was Stammdeformationen bis hin zu Pilzbefall auslöst. Ein solcher Wertverlust wurde nicht gern gesehen, weshalb die Birken häufig wieder entfernt wurden.

Seit einiger Zeit wird aber in den Forstbetrieben vermehrt ein Waldumbau auf ökologischer Grundlage durchgeführt. Das heißt, Nadelreinbestände werden durch Laubgehölze ergänzt oder gar ersetzt. Dabei wird die schnellwachsende Birke auch mal stehen gelassen, nachdem sie ihre Schutz-Funktion als Vorwald-Baumart für frostempfindlichere Arten erfüllt hat. In Nadelwäldern verbessern Birken mit ihrer leicht zersetzbaren Streu die Qualität des Bodens als Lebensraum für Kleinstlebewesen, aber auch hinsichtlich der Nährstoffversorgung im Humus. Auch zur Erhöhung der Artenvielfalt werden „eingeflogene“ Birken in Reinbeständen gefördert, denn unter ihren lichten Kronen kommen nicht nur ganz bestimmte Pflanzen, sondern auch Tierarten vor. Von dem Bild eines zu bekämpfenden Unkrautes ist man deshalb in einer modernen und nachhaltigen Forstwirtschaft mittlerweile abgerückt.

Birke verheizen als Dauerbrenner

Warum ist Birke als Brennholz so gefragt?

Bevor waldfrisches Birkenholz für ein behagliches Feuer im Kamin oder Ofen sorgt, muss es getrocknet werden. Wegen seiner recht hohen Rohdichte (650 Kg/m³) wird dafür eine Lagerungszeit von etwa 1,5 Jahren empfohlen. Danach verbrennt es schnell, fast ohne Funkenflug und mit schöner bläulicher Flamme. In Holz und Rinde enthaltene ätherische Öle sorgen für einen angenehmen Duft im Raum. Zusammen mit dem hellen, sauber wirkenden Gesamteindruck kann die hohe Beliebtheit des Birkenholzes speziell für offene Kamine verstanden werden. Der Brennwert von 4,3 KWh/Kg ist dabei vergleichbar mit dem von Eiche (4,2 KWh/Kg) und Buche (4,0 kWh/Kg).

Birkensaft - ein ungetrübter Genuss

Alle Infos zum wurzelgefilterten Sondergetränk

Seit vielen Jahrhunderten gilt der farblose Birkensaft als ein begehrtes Getränk der Naturmedizin und gegen die Frühjahrsmüdigkeit, reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Fruchtzucker. Leider ist das süße und gesunde Gratisprodukt der Natur in unserer „modernen Zeit“ ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei werden dem Saft etliche gesundheitsfördernde und heilende Eigenschaften nachgesagt, etwa die entgiftende, entschlackende oder entzündungshemmende Wirkung.

Schon im zeitigen Frühjahr, noch vor dem Laubaustrieb, lässt sich die Birke gepflegt „anzapfen“. Aus Rinden- und Stammverletzungen tritt die wohlschmeckende Zuckerlösung von alleine aus und lockt allerlei Insekten an. Für die gewerbliche Saftgewinnung werden die Bäume angebohrt und danach wieder mit Baumwachs verschlossen. Dabei kann ein mittlerer Baum bis zu 10 Liter Saft pro Tag liefern. Rund zwei Wochen hält der Saftfluss an, was dem Baum kaum schadet. Damit der Saft nicht gärt, muss man ihn im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren. Mit dem Erscheinen der Blätter lässt der Flüssigkeitsstrom schlagartig nach.

 

Vor allem in Skandinavien wird die Gewinnung von Birkensaft praktiziert und ist ein Wirtschaftsfaktor. Er wird entweder pur, als Birkenwein bzw. als Birkenchampagner oder Likör genossen. Auch als Haarwasser findet er Verwendung. Und zunehmend füllen sich auch bei uns die Regale im gut sortierten Einzelhandel. Nicht selten steht Birkensaft auf der Getränkekarte. Hierzulande hat die Gewinnung und regionale Vermarktung noch keine nennenswerte Bedeutung. Der Birkenextrakt wird aus Nord- und Osteuropa importiert.

Die Anleitung zum Selbst-Saft-Zapfen bekommt ihr hier.

Die Buche in Deutschland ist die Birke in Finnland

Birke verbrennen? Es geht auch anders…

In Deutschland wird der Birke im Vergleich zu anderen Baumarten nur eine geringe Bedeutung in der Forst- und Holzwirtschaft beigemessen. Das ist ganz anders in Russland, den baltischen sowie skandinavischen Ländern. In Finnland ist sie beispielsweise genauso wichtig wie die Buche hierzulande. Dort wird sie als Rundholz, Schnittholz, Messer- und Schälfurnier oder als Sperrholz angeboten. Meistens wird sie zu Möbeln verarbeitet, wobei sie allerdings auch zur Imitation wertvollerer Holzarten herangezogen wird. Bei uns hingegen endet sie meistens im Kamin als Brennholz.

Daneben wird Birkenholz aber auch für ganz spezielle Zwecke benötigt, zum Beispiel für die Herstellung von Sportgeräten wie Speeren und Diskusscheiben, im Musikinstrumentenbau (Hammerstiele für Klaviaturen, Böden und Zargen von Gitarren) oder in der Kupfer-Raffinerie. Durch seine Geruchlosigkeit wird es gern für Lebensmittelfässer wie Heringstonnen verwendet. Zum Schnitzen und Drechseln im Kunstgewerbe eignet es sich ebenso gut wie zur Papier-Herstellung, da es einen hochwertigen Zellstoff liefert.

 

In der Vergangenheit wurde Birke für Fahrzeuge genutzt. Beispiele dafür finden sich beim Waggon- und Fahrzeugbau, aber auch in der Wagnerei. Gleiches gilt für Skier und Schlitten. Selbst bei Flugzeugen wurden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges leichtere Bauteile aus Birkenholz konstruiert, woher auch der Name „Fliegerbirke“ stammt.

Weitere spezielle Anwendungsbereiche waren die Herstellung von Holznägeln, Werkzeugstielen, Wäscheklammern, Zündhölzern und Holzschuhen. Nähgarnrollen wurden fast ausnahmslos aus Birkenholz gefertigt. Bei Burschenschaftern waren sogenannte „Birkenmaier“ beliebt – das sind Bierkrüge aus Birkenholz, an denen außen die Rinde verbleibt.

Birkenrinde lässt sich selbst im nassen Zustand mit dem Streichholz leicht anzünden. Sie ist daher die ideale Anzündhilfe für Lagerfeuer, Grills und Kamine.

Schon in der Antike und noch bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden die entblätterten Birkenruten bzw. Birkenreiserbesen zur Bestrafung verwendet, meist bei geringeren Vergehen und in der Schule (im Englischen: „Birching“). Und das aus „praktischen Gründen“ – weil solche Ruten leicht beschafft werden können, oft verwendbar sind …. und ganz schön weh tun! Und aufgemerkt: Auch der liebe Nikolaus und sein rauer Gehilfe Knecht Ruprecht – der Kinderschreck, nicht der gleichnamige Familienhund der Simpsons – haben eine solche Birkenrute bei sich.

Bei der einen oder anderen Gelegenheit ist man gezwungen, einen dauerhaften, möglichst wasserundurchlässigen Kleber selbst herzustellen. Birkenpech (auch Birkenteer genannt) ist so einer. Der älteste Nachweis für dessen Verwendung geht auf über 200.000 Jahre zurück! Die Herstellung erfolgt durch Erhitzung von Birkenrinde.

Das im kalten Zustand harte Pech kann nahezu unbegrenzt gelagert werden. Vor der Verarbeitung muss die Plastizität durch Erwärmung erhöht werden (zum Beispiel durch Kauen im Mund) und kann dann zur Abdichtung und Kittung aufgetragen werden. Außerdem ist es gut brennbar. Auf dieser Seite finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung inklusive Video, wie sie Birkenpech gewinnen können.

Es gibt noch weitaus mehr Dinge, die Sie selbst herstellen können. Haben Sie schon mal Birkenknsopen-Sauce probiert? Kennen Sie die überaus kräftig entschlackende Wirkung des Birkenblätter-Tees? Interesse an einem Birkenrinden-Bad gegen Gliederschmerzen? Unter diesem Link finden Sie viele weitere Do-It-Yourself-Heilmittel wie Tinkturen, Öle und Salben auf Birkenbasis, aber auch Rezepte zur Zubereitung von Speisen, Gewürzen und Getränken. Uns fiel besonders der Wildkräuter-Smoothie mit Birkenblättern ins Auge.

Unter Waldbau verstehen Förster die gezielte Beeinflussung, Pflege, Ernte und Verjüngung von Wäldern, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen. Im Vordergrund stehen in Deutschland die Stabilität des Ökosystems Wald gegenüber Gefahren wie Stürmen, Borkenkäfern oder Trockenheit. Gleichzeitig zielen viele Maßnahmen auch auf die Wertsteigerung für die Rohstoffproduktion ab.

 

Grundsätze aus dem „Grünen Ordner“ Brandenburg

  • Laubbaumarten wie Birke, Weide und Eberesche sind als Füll- und Treibholz erwünscht. Die angemessene Beteiligung der Pionierbaumarten an der Verjüngung, nicht ihr Aushieb, ermöglichen eine naturnahe und kostengünstige Waldentwicklung.
  • Gewünschte bodenphysikalische und chemische sowie ökologische Wirkungen von Unterbauten können zumeist auch durch aktive Förderung ankommender Naturverjüngung, vor allem der Eiche, Birke und Eberesche, erzielt werden.
  • Die sich unter unseren klimatischen und standörtlichen Bedingungen oftmals einstellenden Birken sind als Füll- und Treibholz erwünscht. Ihre Konkurrenzkraft gegenüber der Kiefer wird auf armen Böden im trockenen Tieflandklima oft über-, ihre wirtschaftliche Bedeutung hier oft unterschätzt.
  • Frostschäden bei Eiche, die häufig auf Freiflächen auftreten, werden durch das Belassen von Pionierbaumarten, wie Kiefer und Birke verringert.
  • In Kiefern-Douglasien-Laubholz-Mischbeständen sollten zusätzliche Begleitbaumarten wie Birke, Eberesche, Eiche etc. als Bereicherung übernommen und gefördert werden.
  • Moorbirken-Erlenwald
  • Im Übergangsbereich von organischen zu mineralischen Nassstandorten kommt die Roterle in Mischung mit Baumarten wie Esche, Stieleiche, Flatterulme und Birke vor.
  • Birke kommt in Waldrändern aller Standortsformen vor.
  • Ertragstafel der Birke

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